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Episode 2: Wir waren angefixt ... :)

Episode 2: Wir waren angefixt ... :)

Unsere Idee der Weltreise beanspruchte einiges von unserer Zeit. Wir sprachen hauptsächlich über dieses Thema. Es kamen auch immer wieder neue Themen hinzu auf die wir noch genauer eingehen sollten. Vor allem auch das Vorstellen der Idee unserer Verwandtschaft stieß nicht auf Überzeugung und Hilfsbereitschaft. Dass Eltern es den eigenen Kindern ausreden wollen, ist nachvollziehbar, zudem sie selbst keine Ahnung von der Materie hatten und haben. Aber so einige haben uns den Stempel «Verrückt» oder «Wahnsinn» aufgedrückt. Anfangs brachte dies uns natürlich zum Überlegen und alle Einwenden die wir zu hören bekamen, waren für uns nicht so einfach hinzunehmen. Es kamen auch Zweifel auf. Sollen wir dies überhaupt wagen. Was wenn …??

 

Irgendwann waren wir an einen Punkt angelangt, wo jede Einwende und negative Aussage über unser Vorhaben uns nur noch mehr anspornte. Wir nahmen die Herausforderung an, immer eine passende Antwort auf Lager zu haben.

Der Gedanke die Weltreise mit einer Segelyacht zu starten, machte es nicht einfacher.

Wo sollten wir anfangen? Immer wenn wir uns über eine Sache informierten, kam eine weitere hinzu, …. Ein wahrscheinlich nie endendes Thema …

OK, um es einfach zu sagen, wir hatten schlicht weg keine Ahnung auf was wir uns einließen.

 

Also fingen wir ganz einfach mit der Basis an. Das war der Bootsführerschein. Dies war die Voraussetzung um überhaupt mit ein Schiff eigenständig fahren zu können.

Wir informierten uns über Bootsführerschein in Italien, Schweiz und Deutschland. Da es sich herausstellte, dass der Bootsführerschein in der Schweiz sehr teuer war (für unsere Verhältnisse, da wir ja am Sparen waren) und wir in Italien alles in Italienisch machen mussten, entschieden wir uns den Führerschein in Deutschland zu machen. Wir fanden eine Prüfungsstelle, wo wir alles online lernen konnten und dann für ein Wochenende an den Bodensee fahren mussten, um die Prüfung praktisch und theoretisch zu bestehen.

Ja, das Lernen war nicht immer einfach, sehr trocken und zudem alles «Neuland» für uns. Lukas war wie immer höchst motiviert und verschlang die Infos ohne Pause. Für mich war es nicht so einfach, da ich ja im Spital meine verschiedenen Schichten machte und so manche Geburt mir auch was abverlangte und ich dann schlicht und weg keine Lust auf Lernen hatte.

Irgendwie kam der Tag der Prüfung recht schnell auf mich zu. So holte Lukas mich am Morgen der letzten Nachtschicht (von 6 Nächten) höchst motiviert vom Spital ab und wir fuhren an den Bodensee. Ich hatte nicht geschlafen, eigentlich, um es ehrlich zu schreiben, auch keinen Bock auf praktisches Bootfahren. Aber Lukas schaffte es wie immer mich mit seiner uneingeschränkten Überzeugung zu motivieren.

 

Wir hatten an diesem Samstag die Möglichkeit den ganzen Tag Bootfahren zu üben, um dies dann am Sonntag den Prüfer vorzumachen. Wir übten erst mal, um überhaupt ein Gefühl fürs Bootfahren zu bekommen. Wir fuhren mit einem kleinen Motorboot im Hafen hin und her, legten am Steg an, übten Person-über-Bord-Manöver und An- und Ablegen. Den lieben langen Tag machten wir dies. Ich natürlich war am Abend, aufgrund des Schlafmangels, fix und fertig. Ich ging schlafen und hoffte irgendwie den morgigen Tag zu überstehen.

So kam er dann auch, der Prüfungssonntag. Wir schrieben zuerst theoretische Prüfung und am Nachmittag zeigten wir den Prüfer unser praktisches Können im Hafen. Um es kurzzumachen, wir bestanden beide und erhielten offiziell den Sportbootführerschein.

Mit diesem Führerschein durften wir nun ein kleineres Motorboot und auch ein Segelboot offiziell fahren. Ein Segelboot, zugegebener Massen, haben wir immer noch keinen Fuß darauf gesetzt, war für uns immer noch «Neuland».

Hauptsache wir konnten theoretisch eines mieten und losfahren. J

 

Der erste wichtige Schritt war getan!

 

 

Da Lukas bereits auf dieses Ergebnis aufgebaut hatte, wusste er, wie es weiterging. Er hatte sich bereits über einen praktischen Segelschein den VDS informiert. Und wie könnte es anders sein, hatten wir nun ein weiteres Ziel, welches uns der eigenen Segelyacht ein Stückchen näher brachte.

Der VDS-Schein war ein 10-tägiger Segeltörn in Kroatien mit praktischer Endprüfung und Erhalten eines Nachweises zum Führen eines Segelbootes. Wir planten dies für den Sommer 2016.

 

 

Nach monatelanger Vorbereitung kam natürlich auch dieser Tag, wo wir nach Kroatien aufbrachen und nun endlich unsere ersten Erfahrungen mit Segeln und einer Segelyacht machen werden. Wir konnten es kaum erwarten und hatten dennoch auch einige Bedenken: Was wäre, wenn jemand von uns Seekrank werden würde? Wie ist das Bordleben? Empfinden wir es als angenehm? Konnten wir das Segeln lernen, um dann selbst über den Atlantik segeln zu können? Auf was kommt es an? Was, wenn ein Sturm kommt? … und … und … und….

 

Mit vielen Fragen im Gepäck vergingen diese Tage sehr schnell. Wir lernten natürlich seeeeeeeeehr viel. Unser Skipper «Tom» war ein sehr guter Segellehrer, er nahm sich viel Zeit uns alles ganz genau zu erklären und zu zeigen. Er hatte auch unsere Idee einer Weltumsegelung nicht primär als «bescheuert» abgestempelt, sondern erzählte uns von seiner Atlantiküberquerung und gab uns viele Tipps, auf was wir besonderen Wert legen sollten und was wir noch lernen musste bzw. sollten.

 

Das Bord-leben hat wenig mit dem Leben in einer Wohnung im Dorf oder in der Stadt zu tun, nun ja, …. Es wäre dann ja schon wie eine eigene Wohnung, nur eben mal schnell einkaufen zu gehen stellt sich dann schon als schwieriger heraus. Ebenso das Kochen während dem Segeln ist eine Herausforderung. Man ist halt auf dem Meer, Wind und Wetter spielen eine zentrale Rolle und man muss sein Leben anders gestalten. Einfache Dinge oder Probleme können zu einer besonderen Herausforderung werden und brauchen mehr Zeit um sie lösen zu können.

Die ganz besonders schönen Momente, die man sonst so nicht im Alltag erlebt, sind aber dafür von grösserer Bedeutung.

Wir merkten schnell, dass man sich da erst hineinfinden muss und wir noch einiges lernen mussten, aber abschrecken liessen wir uns deshalb auch nicht.

 

Da war ja dann noch die Prüfung. Der letzte Tag auf der Yacht war der Prüfungstag, natürlich waren wir aufgeregt, fühlten uns aber auch gut vorbereitet und so wagten wir uns erneut an Segel-Theorie und  fuhren unsere Manöver. Lukas bekam ein extra Lob von Tom, weil er es besonders gut gemeistert hatte. Auch ich schaffte die Prüfung.

Wir waren begeistert. Die stundenlange Heimfahrt von Kroatien über Südtirol und in die Schweiz zurück, redeten wir sehr viel über alle Eindrücke, Ängste, Ideen, Herausforderungen, ……

 

 

Übrig blieben die Fragen aller Fragen ….. Wollen wir dies? Können wir eine Weltumsegelung schaffen? Trauen wir uns das zu? 

Unsere Entscheidung fiel mit einem «JA» aus. Wir nehmen diese Herausforderung an.

Wir wussten natürlich sehr genau, dass dies, wenn man es mit Bergsteigen vergleicht, eine besonders grosse Herausforderung werden würde und der Gipfel für uns wohl oder übel ein 6.000 - 8.000er sein wird.

Wie man so schön sagt: «Der Groschen ist gefallen»! Zu lernen gab es ausgesprochen viel: über Segeln auf dem Meer, Atlantiküberquerung, Leben an Bord, Sturmsegeln, Land und Visum, Ein- und Ausklarieren, und und und …..

 

 

 

Zudem war da ja noch das Problem der eigenen Segelyacht: Preis, Ausrüstung, gebraucht oder neu, worauf muss man achten,  wo können wir Tipps holen, ….

 

 

Eine Segelyacht kaufen war nun also unser nächster Schritt!!!! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Tina (Sonntag, 16 Juni 2019 19:45)

    Kompliment, so viel Mut habt ihr! Einfach nur toll zu lesen und sich inspirieren zu lassen.
    Macht weiter so!