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Episode 6: Drei Monate Auszeit

Episode 6: Drei Monate Auszeit

Hafen Pirovac
Hafen Pirovac

Nun war es wieder soweit, Lukas und ich machten uns erneut auf die Reise zu unserer Segelyacht. Wohin? Natürlich stand Girasole immer noch in Pirovac im Hafen und wartete auf uns J.

Diesmal planten wir unseren Aufenthalt für ca. 3 Monate. Wir sahen diese Zeit als eine Art Testlauf an. Wir wollten sehen, ob wir ein «Feeling» fürs Segeln bekommen, das Leben an Bord meistern und die Herausforderung «Meer» ansatzweise bestreiten könnten. Es war für uns nicht gerade einfach, denn die Planung dafür war besonders stressig.

Wir haben alles so geplant, dass wir die Arbeit in der Schweiz kündigten, Auto und Möbel verkauften und unseren Wohnsitz wieder zurück nach Südtirol legten. Wir hatten natürlich ein gewisses Budget angespart. Wir hofften, dass dies reichen würde und Girasole nicht gerade auseinander brechen würde (vor allem hofften wir, dass sie uns gewisse Anfängerfehler verzeihen wird) J

Nun ja, wir wollten sie nicht auf den Grund des Meeres versenken, und nicht gerade großen Schaden anrichten, aber wir waren sehr zuversichtlich, denn wir durften ja bei Tom, unseren Regattasegellehrer, über die Schulter schauen. Wir fanden, er hat uns sehr gut darauf vorbereitet.

 

Vorzubereiten gab es ausgesprochen viel, vor allem der Umzug nach Südtirol war bereits Wochen vor unserem Start losgegangen. Wir fuhren immer wieder mit einem vollen Auto nach Südtirol, um bei Verwandten unsere Sachen zu verstauen, denn auf einem Segelschiff ist natürlich nicht unendlich viel Platz. Wir überlegten gut, was muss mit und was blieb in Südtirol. 

Bimini Nähen am Boden ... sieht gemütlich aus :)
Bimini Nähen am Boden ... sieht gemütlich aus :)

Auch für Girasole begannen die Vorbereitungen nicht erst eine Woche vorher. Ich versuchte z. B. das Bimini (Sonnendach) zu nähen und mit Ösen zu bestücken, damit wir unsere Solaranlage montieren konnten. Lukas war natürlich mit anderen Sachen beschäftigt. Er bereitete z. B. alles fürs Antifouling vor, organisierte und bestellte Sachen für Reparaturen und Arbeiten am Schiff, ein Techniker halt wie er im Buche steht. Wie gesagt waren wir sehr beschäftigt, wir waren auch gestresst und unsere Beziehung litt vielleicht auch etwas unter dieser Zeit. Wir arbeiteten bis am letzten Tag, der Umzug, die Vorbereitungen, nun ja … da blieb für uns nicht besonders viel Zeit übrig. Aber dies sollte sich ja dann in den nächsten Monaten komplett ändern. Wir freuten uns sehr.

italienische Raststätte ... ein Rubbellos darf nicht fehlen :) Vieleicht hat man ja Glück und gewinnt
italienische Raststätte ... ein Rubbellos darf nicht fehlen :) Vieleicht hat man ja Glück und gewinnt

 

 

Ein guter Freund namens Stefan begleitete uns nach Pirovac. Das Auto war voll bis unters Dach, denn es mussten noch einige Sachen mit aufs Schiff.

Lukas und ich waren sooooo aus dem Häuschen und vor allem freuten wir uns auf den ersten Segelausflug. Unser Plan war, Girasole zuerst aus dem Wasser zu heben und das Antifouling aufzutragen und dann begann die besondere Zeit für uns, wir wollten uns aus dem sicheren Hafen bewegen J. Wie aufregend!

Der Tag kam, wir waren wieder in Pirovac. Die Autofahrt machten wir mit links J.

 

Wir richteten uns, so gut es ging ein und wollten eigentlich sofort loslegen. Allerdings mussten wir etwas warten, da der Hafen eben noch nicht fertig war und deshalb alles etwas länger dauerte.

Girasole wartet auf den Lift
Girasole wartet auf den Lift

Dann kam, aber auch dieser Tag wo Girasole aus dem Wasser gehoben wurde und sie auf das Trockendock gestellt wurde. Auch das war, wie kann es anders sein, … natürlich unser erstes Mal J. Wir waren sehr aufgeregt, denn wir starteten nach langer Zeit wieder den Motor. Springt er überhaupt noch an? ...

Zum Glück lief alles wie am Schnürchen mithilfe der Hafenarbeiter.

Wir sahen zum ersten Mal den Rumpf von Girasole und in dieser Perspektive wirkte unsere Segelyacht irgendwie grösser. Wir merkten wieder einmal, welch große Arbeit vor uns liegen würde, freuten uns, aber auch endlich Hand anlegen zu können.

Wir legten los. Das alte Antifouling kratzten wir, so gut es ging weg und trugen das neue auf. Wir wussten, dass es bereits vorher nicht immer ganz korrekt aufgetragen wurde.

 

Aber als wir dann noch Beulen unter dem alten Antifouling fanden und wir viel von Osmose gelesen hatte, befürchteten wir, dass unsere Gira davon befallen war. Unsere Stimmung knickte, denn Osmose ist eine gaaaanz schlimme «Krankheit» von Schiffen. Also genauer gesagt, ist es, wenn sich das Harz im GFK nach längerer Zeit im Wasser langsam zersetzt und so eine Säure bildet, welche dann die Rumpfstruktur schwächt und solche Blasen bildet.

Wir waren sehr bestürzt, denn es bedeutete für uns viel Geld, um es reparieren zu lassen. Dies brachte unseren Plan der Weltumsegelung etwas ins Wanken.

Wir merkten schnell, dass es nicht ganz in unseren Zeitplan passte und so entschieden wir uns für eine Schnellvariante. Wir nahmen uns vor, nach der 3-monatigen Reise, uns um dieses Problem zu kümmern und auch einen Spezialisten zu fragen was er meine. Das alte Antifouling kratzten wir an den losen Stellen weg, brachten diese Beulen zum Platzen und die restlichen, gefühlt 100 Schichten, ließen wir sein um dies dann später korrekt und gut zumachen, wenn wir mehr Zeit hatten. Wir lasen viel im Internet über diese Osmose und wir mussten dies erst mal nach hinten schieben und uns später darum kümmern. Vor allem Lukas tat sich anfangs sehr schwer damit, denn wenn es so wäre kostete es viel Geld und noch mehr Zeit bis wir unseren Traum leben konnte.

Lukas in seinem Element
Lukas in seinem Element

Nun ja … die Zeit verging, wir hatten ja einiges zu tun und während die Farbe bzw. das Antifouling trocknete, hatten wir auch mal Zeit für Shopping.

Natürlich nur Sachen für unser Baby … Girasole natürlich! J

 

Wir fuhren öfters in den Baumarkt und besorgten einige Sachen, zum Verschönern, Leben und Reparieren. Ebenso haben wir uns ein neues Dinghi zugelegt. Denn das Alte hatte seine besten Zeiten bereits gehabt. Beim Benützen zum Abkratzen der alten Aufkleber auf den Rumpf, war es undicht. Es schwamm zwar noch, aber unter dem Gewicht unseres Außenborder lief auch noch Wasser über den Rand ins Boot. Lukas hat bereits versucht es zu kleben, allerdings hatte es an mehreren Stellen Löcher, welche nicht mehr zu reparieren waren.

Zwischen all dieser Zeit des Arbeitens und Warten auf unser neues Dinghi, hatten wir natürlich auch unseren Spaß. Wir genossen unsere Freiheit, ohne Arbeiten und großen Verpflichtungen.

Die erste Testfahrt mit unserem neuen Dinghi war ein ganz besonderes Highlight … mehr dazu im nächsten Blog J